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Interview: Bundeskanzler in Deutschland

Daniela Kallinich |  13. Juli 2012 |   |  Drucken

[nachgefragt]: Stephan Klecha berichtet im Interview über sein neues Buch „Bundeskanzler in Deutschland“.

Welchen Ansatz hast Du gewählt, um die deutschen Bundeskanzler zu erforschen?

Wenn man von biographischen Kompendien absieht, bieten sich eigentlich zwei Wege an, um die Kanzler vorzustellen. Entweder nimmt man sich einen Teilaspekt vor und klopft die einzelnen Kanzlerschaften nach ihm ab. Oder man greift einen Kanzler heraus und dekliniert die verschiedenen Aspekte durch. Ich habe mir mit Blick auf eine Lehrveranstaltung einen exemplarischen Zugang überlegt. Jeder Kanzler wird dabei unter einem bestimmten Gesichtspunkt dargestellt. Dadurch erhält man in vergleichsweise kompakter Form einen Überblick zu allen Kanzlerschaften und ihren Besonderheiten.

Gibt es Erfolgsbedingungen für Kanzlerschaften?

Natürlich ist vieles kontextabhängig und so lässt sich Adenauers Zeit nur schwerlich mit der Kanzlerschaft Angela Merkels vergleichen. Doch ein paar Gemeinsamkeiten kann man schon ausmachen. Ein Netzwerk von Getreuen im Kanzleramt und in der Regierungsfraktion ist sicher unerlässlich. Zudem sollte man als Regierungschef entscheidungs- und konfliktbereit sein. Er oder sie sollte in Sachfragen pragmatisch agieren können und situativ schon mal zu klugen Meinungswechseln bereit sein. Das alles ist mühselig und kräftezehrend. Wer nicht die passende physische wie psychische Kondition mitbringt, geht gnadenlos unter.

Gibt es bestimmte, überraschende Erkenntnisse, die Du herausarbeiten konntest und mit denen im Hinblick auf den Forschungsstand eigentlich nicht zu rechnen war?

Wirkliche Überraschungen waren sicherlich nicht zu erwarten, schließlich sind die Kanzler wohl zu gut erforscht. Und doch fallen zwei Dinge auf. Zum einen werden Erfolgsfaktoren mitunter schon mal im Laufe der Zeit zu Gründen des Scheiterns. Zum anderen haben sich Landtagswahlen auffallend häufig als Anlass für einen Kanzlersturz erwiesen. Was mich persönlich überrascht hat, war die Kanzlerschaft Kohls. Eigentlich hatte Kohl derart viele Unzulänglichkeiten, dass er weder hätte Kanzler werden noch sich so lange im Amt hätte halten dürfen. Dass ihm das dennoch gelang, ist eine interessante Episode bundesdeutscher Kanzlerschaften.

Das Interview führte Daniela Kallinich.

Interview zu: Bundeskanzler in Deutschland. Grundlagen, Funktionen, Typen. Budrich, 2012.


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