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INDES: Europa ohne Idendität?

Matthias Micus & Marika Przybilla-Voß |  25. Juli 2017 |   |  Drucken

[präsentiert]: Ausgabe 2-2017 diskutiert das Europa in der Krise.

Der »Brexit«, die Entscheidungsblockade beim Handelsvertrag CETA, die Wahlerfolge von Rechtspopulisten bei Europawahlen, die Unfähigkeit der Gemeinschaft zu gemeinsamem Handeln in der Flüchtlingskrise – diese wenigen Stichpunkte genügen, um zu veranschaulichen, dass die Europäische Union und mit ihr die Idee eines geeinten Europa in einer tiefen Krise stecken. Statt auf eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit setzen viele Mitgliedsstaaten auf Renationalisierung, nicht zuletzt auch, weil sie sich damit und mit der Kritik an Europa im Bund mit relevanten Teilen ihrer Bevölkerungen wähnen. Und dennoch: Die Werte, Normen und Ideen Europas, und mit ihnen Europa selbst, büßen auf internationaler Ebene keineswegs an Attraktivität oder Bedeutung ein. Ganz im Gegenteil strahlen sie Anziehungskraft und Hoffnung aus.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Ausgabe der INDES im Schwerpunkt mit Europa und den mit diesem Begriff wie Raum verknüpften Vorstellungen, Werten und historischen Bezügen, mit den – gedachten wie manifesten – Gemeinsamkeiten nach innen und den Abgrenzungen nach außen, kurzum: den europabezogenen Identitäten. Was macht »Europa« aus? Gibt es gemeinsame Erzählungen, auf die sich in Krisen zum Zwecke der Stabilisierung inneren Zusammenhaltes berufen werden kann? Und gibt es eine benennbare europäische Idee?

In diesem Zusammenhang stellt sich noch grundsätzlicher die Frage, wie Identifikationen mit Räumen und politischen Gebietseinheiten überhaupt entstehen? Wieso also fühlen sich zahlreiche Menschen, wenn auch vielleicht nicht in erster Linie als Europäer, so doch als Franzosen, Deutsche, Italiener?

In Verbindung damit soll desgleichen eruiert werden, woran es Europa mangelt, wo seine Defizite liegen – und ob und inwiefern sich diese korrigieren lassen: durch mehr oder weniger Integration; durch die Akzeptanz pluraler, entlang der Nationalstaatsgrenzen sich unterscheidender Einstellungen zu Europa oder deren Überwindung; durch neue, attraktive Europa-Erzählungen. Aber welche wären das? Fragen über Fragen, deren Beantwortung in Anbetracht der internationalen Entwicklungen drängender denn je ist.

Marika Przybilla-Voß ist die Heftverantwortliche dieser Ausgabe, Dr. Matthias Micus ist Chefredakteur von „INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft“.

Die Ausgabe 2-2017 ist im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht erschienen. [zur Leseprobe]

 


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