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Generationenwechsel im Front National

Paru Fiona Ludszuveit |  8. Juli 2011 |   |  Drucken

[analysiert]: Paru Fiona Ludszuweit analysiert die politische Karriere von Marine Le Pen.

Blond, selbstbewusst und trotz aller Kontroversen äußerst beliebt. Dieses Bild von Marine Le Pen steht ganz im Gegensatz zu dem ihres Vaters, Jean Marie Le Pen, Gründer und ehemaliger Präsident der französischen rechtsextremen und populistischen Partei Front National (FN). Geboren am 5. August 1968 in Neuilly-Sur-Seine als jüngste Tochter, folgte die heutige Parteivorsitzende des FN ihrem Vater nach dem Studium der Rechtswissenschaft in die Politik. Mit 18 Jahren wurde sie offizielles Mitglied der Partei und engagierte sich seitdem politisch ganz in deren Sinne. Nachdem sie einige Zeit als Anwältin in Paris tätig gewesen war, übernahm sie 1998 erstmals politische Verantwortung als Rechtsexpertin in der väterlichen Partei. Seit 2004 ist sie Abgeordnete im Europa-Parlament, und bei den 2012 in Frankreich anstehenden Präsidentschaftswahlen könnte sie es womöglich als Spitzenkandidatin des FN bis in den zweiten Wahlgang schaffen.

Marine Le Pens politische Karriere schien dabei von Beginn an vorgezeichnet, sie wurde gewissermaßen in Frankreichs extreme Rechte, die Front National, hineingeboren und machte sich bereits früh mit der Politik ihres Vaters vertraut. So konnte sie ihr politisches Talent schon früh schärfen. Als Protegé ihres Vaters brauchte sie keinen Abschluss an der Elitehochschule ENA (Ecole nationale d’administration) für den Zugang zur Politik. Ohne Frage verdankt sie ihm ihren rasanten Aufstieg in der Partei und die oben genannten Posten. Besonders wichtig für ihre Berühmtheit war jedoch ein Fernsehauftritt am Vorabend der Präsidentenwahl im Jahre 2002, als sie sich aufgrund von Personalmangel in der Parteizentrale bereit erklärte, einige Interviews zu geben.

Auch wurde sie 2003 nicht per Wahl, sondern von ihrem Vater zur Vizepräsidentin des FN ernannt. Es bleibt sehr fragwürdig, ob sie es ohne väterliche Unterstützung allein den Vorsitz in einer konservativen und überwiegend patriarchalischen Partei hätte erringen können. Schließlich gilt, dass die französische Politik nach wie vor überwiegend von Männern dominiert wird. Diese Tatsache wird auch durch den äußerst geringen Frauenanteil in der Assemblée Nationale unterstrichen. Derzeit liegt er bei 18,5 Prozent, im Senat bei 21,8 Prozent.

Bereits wenige Wochen nach ihrer Wahl im Januar 2011 zur Vorsitzenden der FN lag sie bei Umfragewerten für die Präsidentenwahl 2012 vor dem derzeitigen Präsidenten Nicolas Sarkozy. So wird deutlich: Marine Le Pen ist in den letzten Jahren politisch hoch aufgestiegen. Auch ist sie seit dem 13. Dezember 2010 in der politischen Satire-Sendung Les Guignols de l’info vertreten, in Frankreich ein sehr typisches Indiz dafür, ein bekannter und wichtiger Politiker zu sein. Ihren Aufstieg verdankt sie dabei einerseits ihrer Medienkompetenz und andererseits der Patronage durch ihren Vater.

Marine Le Pen setzt sich allerdings sowohl inhaltlich als auch stilistisch von ihrem Vater und Förderer ab und verkörpert so ein neues Image der Partei. Indem sie für eine sogenannte Dé-diabolisation (Entdiabolisierung) der Partei sorgen möchte, auf interne Reformen setzt und mit einem neuen Parteiprogramm die breiten Massen zu erreichen versucht, treibt sie diese neue Ausrichtung energisch voran.

Ihre Strategie scheint erfolgreich zu sein, denn ihre Beliebtheitswerte in der französischen Bevölkerung sind seit sie den Parteivorsitz inne hat, deutlich gestiegen sind. Über die Gründe der Befragten, ihre Wahl bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen zumindest in Betracht zu ziehen, kann man dabei allerdings streiten. Unklar ist, ob sie aus Protest oder Überzeugung und Sympathie gewählt werden würde: Marine Le Pen und die FN scheinen jedenfalls populärer denn je.

Besonderen Erfolg hat sie vor allem in den sozialen Unterschichten und dem sogenannten Prekariat. Aus dieser Gruppe möchte laut den Umfragewerten etwa ein Drittel für Marine Le Pen stimmen. Sie kommt dieser Klientel geschickt entgegen, indem sie gezielt auf ihre Ängste eingeht. Die Arbeitslosigkeit ist Le Pens Meinung nach das Ergebnis einer Frankreich schadenden Europa- und Immigrationspolitik, und so streitet sie zum Beispiel gegen den Euro und für einen ausgeprägten Protektionismus. Allerdings hat sie die antisemitischen Parolen ihres Vaters gegen moslemfeindliche Äußerungen eingetauscht, mit denen sie die Einwanderungspolitik Frankreichs heftig kritisiert, wodurch sie auch innerhalb der Mittelschicht enorm an Zulauf gewonnen hat.

Ihre steigende Popularität deutet darauf hin, dass Marine Le Pen nicht nur Frankreichs politische Elite extrem unter Druck setzt, sondern mit ihren Themen auch den Zeitgeist in Europa trifft. Ein Wiedererstarken rechtspopulistischer Bewegungen lässt sich auf dem gesamten Kontinent beobachten. Themen wie Arbeitslosigkeit, Immigration und nationale Identität dienen permanent dazu, die in der Bevölkerung stark verbreiteten wirtschaftlichen Sorgen und Abstiegsängste um die soziale Sicherheit aufzugreifen und Stimmen zu gewinnen. Mit ihrer Strategie könnte Marine Le Pen womöglich die bürgerliche Rechte in Verlegenheit bringen, indem sie Sarkozy 2012 bei den Wahlen weit rechts überholt.

Paru Fiona Ludszuweit ist Masterstudentin der Politikwissenschaften. Im Rahmen des Seminars “Politische Karrieren in Deutschland und Frankreich” hat sie sich mit der Karriere Marine Le Pens beschäftigt.


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